Kunsthaus Schwanheide: Geschichte von 2001 bis 2017

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Einführung und Biografie

Arthur Keller beim Malen eines Pastells 1989

Der Text handelt vom Kunsthaus Schwanheide und dem Gründer und Künstler Arthur A. Keller. Er wurde 1958 im November zusammen mit dem Zwillingsbruder Carlos in Hamburg geboren und wuchs in Ahrensburg, einer beschaulichen Kleinstadt vor den Toren Hamburgs auf. Die Schule besuchten die beiden ab der dritten Klasse in Hamburg, was wegen der langen Fahrzeiten erhebliche Nachteile hatte. Zunächst die Peter-Petersen-Schule in Wellingsbüttel, dann ab der achten Klasse das Gymnasium Meiendorf. Hier machten die beiden 1977 das Abitur, Carlos als Jahrgangsbester, Arthur auf dem dritten Platz.  Wehe dem Lehrer, der es wagte, sie auseinander setzen zu wollen.

Bereits als Jugendlicher hatte Arthur zu malen begonnen. Alsbald baute er sich eine Buchenholzstudiostaffelei, deren Tisch mittels zweier Kilogewichte rückseitig aufgehängt abgefedert wurde. Das Holz hatte der Patenonkel gestiftet, der eine Holzhandlung betrieb.

Auch ein Malkoffer für die Ölfarben wurde selbst gebaut und alsbald auch Utensilien zum Rahmenbau angeschafft, wie eine Hand-Gehrungssäge. Bereits während der Schulzeit malte Arthur Bilder auf Leinwand. Er begann, Landschaften mit Motiven aus der Umgebung zu malen, auch Stillleben. Auch wurden einige Bilder im Stil des italienischen Futurismus gemalt. In der Oberstufe erhielt er Korrekturen von der Kunstlehrerin für seine fertigen Bilder, was sich auch noch einige Jahre nach der Schulzeit fortsetzte. Das war seine gesamte künstlerische Ausbildung. Bereits 1975 begann er erste kleine Ausstellungen zu machen.

1980 machte er seine erste große Ausstellung im Studio Hamburg. Die Eröffnungsrede hielt der ehemalige Deutschlehrer und Buchautor Hermann Bärthel.  Arthur konnte einige Bilder verkaufen.

„Aber Künstler wird er nicht“ hatte der Vater einmal gesagt. Dennoch war er stolz auf seinen Sohn. 1982 wurde in der “Großen Kunstausstellung München” ein Bild angenommen und die Zwillinge zogen in eine Dachgeschoßwohnung nach Hamburg in den Schrammsweg. Seit 1977 studierten beide in Hamburg Medizin, wenn gleich Arthurs Begeisterung für das Fach sich in Grenzen hielt.

1982 wurde Arthur auch Mitglied des “Berufsverbandes der bildenden Künstler” in Hamburg. 1983 bekommt er die Chance, in einem leeren Modegeschäft neben der Hamburger Börse eine umfassende Ausstellung seiner Werke über Monate zu zeigen. Er konnte dort auch malen. Am 17. April 1983 dann die Hiobsbotschaft, der Vater verstarb vollkommen überraschend während einer Geschäftsreise in der Türkei mit nur 54 Jahren, für die Familie ein schwerer Schlag.

1989 heiratet Arthur die Künstlerin und Kunsterzieherin Ulrike Wöhrle, mit der er schon Jahre zusammen lebte. Die Ehe blieb kinderlos. 1984 hatte Arthur auf dem Höhepunkt der Ärzteschwemme ein gutes Examen mit Promotion gemacht, leistete dann seinen Wehrdienst als Arzt ab bis Ende 1985. 1993 kauften Arthur und Ulrike das kleine Atelier in der Nachbarschaft, Bismarckstrasse 90 neben der Bismarck-Apotheke.

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Das 36 qm große Atelier Bismarckstr. 90 in Hamburg, 1993-2001

Der Beginn in Schwanheide

2001 platzte das kleine Künstleratelier in der Bismarckstrasse 90 in Hamburg – Hoheluft aus allen Nähten. Seit 1993 bot der kleine Laden mit 36 qm plus Keller den Künstlern Arthur A. und Ulrike Keller ein Atelier mit ständiger Ausstellung. Arthur A. Keller war auf der Suche nach weiteren Lagerräumen oder einem größeren Geschäft, das sich als Atelier eignen würde. Schnell stellte sich heraus, daß die Kosten nicht zu stemmen waren.

Da kaufte er eines Tages im März die immobilien-Avis, deren Slogan hieß: “nicht suchen sondern finden.”  Das bewahrheitete sich denn auch prompt, ihm stach eine Anzeige auf dem Titel ins Auge, ein Gebäude in Schwanheide, 662 qm gross. Den Ort hatte er noch nie gehört. Es gibt dort aber einen Bahnhof und der Hanse-Express bringt den Reisenden geschwind nach Hamburg, Schwerin oder Rostock.

Er bekam ein Exposee und nach erster Durchsicht war er schon sehr positiv gestimmt und vereinbarte eine Besichtigung. Die verlief sehr erfolgreich, dem Künstler war klar, daß dieses Haus sich als idealer Wohnort und Arbeitsort eignen würde. Es handelte sich um eine frühere Kantine der LPG mit Speisesaal und Bürotrakt. Sogleich begann er mit detaillierten Planungen, Überlegungen und Berechnungen. Es folgten weitere Besichtigungen auch mit Ulrike Keller, seiner Ehefrau. Sie teilte die Begeisterung nicht so sehr.

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Das Kunsthaus Schwanheide bei Kunst Offen zu Pfingsten

Für Arthur stand fest: ein idealeres Objekt war weit und breit nicht zu kaufen. Doch Ulrike schoß quer. In den umliegenden Schulen waren für sie als Studienrätin für Kunst und Französisch an sich überall Stellen frei. Doch sie wollte weiterhin in Norderstedt arbeiten, die teure Mietwohnung behalten und nur am verlängerten Wochenende und in den Schulferien nach Schwanheide fahren. Aus der Sicht von Arthur eine Entscheidung, die er nie verstanden hat und die letztlich auch sein gesamtes Konzept vom Wohnen und Arbeiten unter einem Dach ins Leere laufen ließ und im Endeffekt auch zumindest mit ursächlich zu einer Zerrüttung der Finanzen führte und später dann zur Trennung und eingeleiteten Scheidung. Ulrike sieht das durchaus anders, konnte Arthur aber nie wirklich plausibel machen, warum sie am Wochenende so fleißig im Garten wühlt und wenn es wochentags blüht, nichts davon hat.

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Nochmal zurück nach 2001: dennoch kam es zum Kaufvertrag und Mitte August 2001 wurde das Haus übergeben. Es wurde umgehend mit der Renovierung begonnen und in der großen Halle ein provisorisches “Feldlager” eingerichtet wo auch gekocht wurde. Tonnenweise wurden Fliesen, Zemente und weiteres Baumaterial herangeschafft. Ulrike schaffte mit wahrer Begeisterung Unmengen von Pflanzen von Freunden und Bekannten heran, um die 2500 qm Garten ansehnlich zu gestalten.

Kurz darauf kam der 11.9.2001, Arthur kam gerade aus dem Baumarkt und wird die Tragik und die menschlichen Dramen nie vergessen, die man in den folgenden Stunden und Tagen erfuhr. Es betraf das Projekt insoweit, als die Aktien gewaltig fielen,  die aber das finanzielle Rückgrad bildeten und im Verlauf der Renovierung war das Geld eingeplant.

Langsam wurden die Dimensionen dieses Baus greifbar, 662 qm. Das entspricht in etwa vier Einfamilienhäusern. Vier Badezimmer, drei Küchen, zwei Wohnungen, zwei Gästezimmer und der gewerbliche Teil mit 220 qm waren zu sanieren.

Arthur baute drei Haustüren um von Leichtbau auf massiv, flieste wie ein Weltmeister. Draußen schon fast im Müll fanden sich die zwei Paar Pendeltüren der vorderen Halle. Im trockenen Sommer 2002 während der großen Elbeflut erneuerte er mit Ulrikes Hilfe die Fensterfront der Halle, setzte 120 Thermopengläser in das noch gute Gebälck, setzte neue Deckleisten auf und pinselte alles neu an.

Der Künstler Arthur A. Keller
Der Künstler Arthur A. Keller

Es war eine aberwitzige Arbeit und die Nerven lagen oft blank. Nach fast zwei Jahren eröffnete das Kunsthaus Pfingsten 2003 zu Kunst Offen. Zwischenzeitlich war auch der Bruder Carlos und seine ebenfalls künstlerisch tätige Ulrike mit eingestiegen und hatten die Einliegerwohnung gemietet und auch renoviert.

Die Druckdienstleistungen nahmen zu. Irgendwann mußte Arthur beginnen Personal zu beschäftigen. Ab 2006 begann auch die Ära des digitalen Buchdrucks, die 2009 mit über 9000 gedruckten und gebundenen Büchern ihren Höhepunkt erreichte.

Der große Druckerstreit

Es ist Mittwoch, der 2. November 2016, abends. Der Künstler sinniert über die letzten schweren Jahre. Sein Lebenswerk, das Kunsthaus steht auf Messers Schneide.

Morgen trifft man sich vor dem Oberlandesgericht Rostock zum großen Showdown, das einen jahrelangen Rechtsstreit beenden soll, dessen Wurzeln bis 2006 zurückreichen. Die Materie ist rechtlich durchaus spannend und beleuchtet umfassend diverse mögliche Probleme beim Leasing von Digitaldruckmaschinen. Wie wird das hohe Gericht entscheiden? Es geht um alles, denn wenn der Künstler verliert, ist es das wirtschaftliche Aus und das Ende eines Lebenstraums.

Einen Abend später. Es ist besser gelaufen als gedacht, die Berufungsinstanz sah die Sache ganz anders. Dem Kläger blieb nichts anderes übrig, als einem Vergleich zuzustimmen, er bekommt noch eine gewisse Summe, die er vor drei Jahren auch ohne Prozeß hätte bekommen können. Jeder trägt die Anwaltskosten selbst sowie die halben Gerichtskosten.

Damit wurde ein großer Felsbrocken aus dem Weg geräumt. Die Erleichterung ist zunächst groß und der Glaube an den Rechtsstaat wurde verbessert.

Dennoch kam es am 31.3.2017 zur Schließung des Kunsthauses. Nachdem Arthur Wochen krank war, auch vier Wochen im Krankenhaus, seit 2009 unter Parkinson leidet war der Untergang nicht mehr aufzuhalten. Das Kunsthaus wurde zunächst vollständig geschlossen. Wie es weitergeht, es bleibt spannend.

Mittlerweile schreiben wir Ende Februar 2018, Arthur ist auf einem  seelischen Tiefpunkt angekommen, auch weil nichts voran geht, eher alles langsam aber sicher zerstört wird und er allein gegen die Umstände derzeit wenig ausrichten kann und sich auch extrem isoliert fühlt. Noch nicht mal eine Glühbirne kann er in den Deckenleuchten wechseln. Es gärt in ihm und der Entschluss wird konkreter, doch nochmals durch zu starten in Bulgarien. „Hol dir deine Freiheit zurück“ heißt es in einer Facebook-Gruppe über Bulgarien. „Was habe ich noch zu verlieren“, fragt er sich. „Ich kann nur noch gewinnen“. Dann kam der Traumsommer und die Stimmung besserte sich. Wegen der ebenerdigen Zugänge beschloß er Ende des Sommers, seine Wohnung in die große Halle zu verlegen. Mit einem sehr geringen Etat und lieben Helfern (danke nochmals) wurde das Projekt recht flott realisiert, es ist noch nicht alles fertig, aber es wird. Vorerst ist das eine gute Lösung, wie lange wird sich herausstellen. Zum 60. Geburtstag Ende November hofft Arthur, zumindest halbwegs Ordnung zu haben. Wer noch ein gutes Bild sucht hätte eine reiche Auswahl. Auch sehr viele Papiere und Druckmedien sind noch zu haben.

Im Gedenken

Die Renovierungsarbeiten gingen leider nicht ohne Verletzte ab. An einem schönen Sommerabend 2002 stürzte der Boizenburger W. F. vom Dach und einen Tag nach Weihnachten 2006 fiel der Zwillingsbruder Carlos vom Dach seines in Bau befindlichen Anbaus und ist seitdem im Rollstuhl.

Die Mutter brach sich den Arm und mußte dann leider aus ihrer Wohnung hier im Kunsthaus ausziehen, eine ältere Dame, hier zu Besuch, mußte ebenfalls mit einem Armbruch ins Krankenhaus und die Künstlerin Ulrike P. stürzte bei Kunst Offen auf der Kellertreppe und schnitt sich gewaltig in die Hand.

Wir gedenken besonders unseres Mieters Will Esskuchen, Fotograf, der nach unserem Auszug 2001 ein Cafe in der Bismarckstrasse 90 betrieb und unserer lieben Nachbarin Andrea, die die  Apotheke nebenan inne hatte und die Arthur lange Jahre auch privat kannte. Andrea und Will sind leider verstorben.

Arthurs Dank geht auch an die fleißigen Mitarbeiter, die ihn lange unterstützt haben, wenn gleich einige bei der leider notwendigen Trennung unschöne Szenen lieferten. Ganz besonderer Dank gilt den zahlreichen treuen Kunden.

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