Bulgarien und der bulgarische Joghurt

Meinung: Bulgaria – ich komme wieder!

Einführung

Bulgarien, Land meiner Träume, Fluchtort, neuer Lebensmittelpunkt und Gesund-brunnen? Die Idee, dort auch oder sogar nur zu leben, ist schon älter.
Doch nun zum Thema: kann man es wagen als kranker Mensch (Parkinson und weiteres) nach Bulgarien zu gehen, noch dazu allein? Also ein Zuckerschlecken ist das sicher nicht und es wird zu Beginn sehr hart werden und ich muß unbedingt mein Normalgewicht wieder erreichen und möglichst schnell die Sprache lernen. Ich bin mir noch nicht sicher, was für ein Typ Behausung die richtige ist, die preiswerte schöne Mietwohnung, wenig Sorgen aber auch wenige Möglichkeiten, am besten mit Swimmingpool, Meerblick und Aufzug, ein kleines Häuschen, möglichst am Meer, ein ganz preiswertes Häuschen im Binnenland, mit eigenem Weinberg, ein großes Haus am  Meer inklusive Räumen für Atelier und einer Galerie zum  Selbstweiterbauen und so weiter. Bulgarien bietet das volle Programm.

Die folgenden Texte und Bilder sind eine subjektive Auswahl und Meinung von mir, sie beruhen auf langjähriger Lebenserfahrung, dennoch kann und wird es sein, daß andere Menschen andere Erfahrungen gemacht haben. Ich erhebe keinen Anspruch auf objektive Wahrheiten, versuche aber Ergebnisse zu begründen.

Bulgarien und der bulgarische Joghurt
Bulgarien und der bulgarische Joghurt, Acryl auf Leinwand, 2017

Gesundheitswesen

Ja, wie kann man es wagen in Bulgarien leben zu wollen? Noch dazu krank. Wo doch angeblich das deutsche Gesundheitssystem so toll ist?

Wie sieht es dagegen in Bulgarien aus? Das ist gar nicht so einfach in Erfahrung zu bringen und das erste Argument von Kritikern gegen Bulgarien, die Gesundheitsversorgung sei doch da so schlecht. Mangels eigener Erfahrungen bitte ich gern um Kommentare / Zuschriften persönlicher Erfahrungen anderer Auswanderer. Ärztliche Intuition, Wissen und Erfahrung und ein Gespräch mit dem Patienten sind aber oftmals viel mehr wert als modernste Tomographen und Apparate etc.. Diesen Punkt muß ich als noch ungeklärt verbuchen.
Fakt ist, ich konnte dort eine massive Gewichtsreduktion beginnen, die ich hier in Deutschland weiterführen konnte und verlor bisher (Stand 17.5.2019 24 kg Gewicht, weitere 10-20 kg sollen noch weg. Es geht mir damit schon erheblich besser.
Ganz viele und ganz wichtige Infos findet man hier: Deutsche im Ausland DIA
Es wäre allerdings eine Option, die teure private Krankenversicherung in Deutschland loszuwerden, deren Kosten bei etwa 500 Euro monatlich liegt, also 6000 Euro im Jahr.

Der erste Besuch in Bulgarien

Das Hostel Elena in Sofia
Das Hostel Elena in Sofia

Ich habe vom 13.6. bis 4.7.2017 erstmals Bulgarischen Boden betreten. Hinflug Hamburg – Sofia mit Ryanair, Ankunft in spätester Nacht, zwei Übernachtungen, dann mit dem Taxi nach Smoljan und von dort am nächsten Tag nach Varna, 18 Nächte im Evergreen-Komplex, Rückflug Varna – Hamburg am 4.7.2017.
Nun bin ich wieder einige Tage zuhause, es hat im wesentlichen alles geklappt und ich habe überlebt, zu meiner Freude einige Kilo leichter. Die Hinreise: ich landete spät nachts in Sofia, es gab vor dem Abflug ein Problem, man zählte und zählte, ließ sich mehrfach die Bordkarten zeigen. Aber dann hoben wir doch ab. Von Sofia habe ich leider wenig gesehen, am dritten Tag fuhr ich nach Smoljan in die Rhodopen mit der Taxe, der fuhr als sei der Teufel hinter ihm her.

Dort hatte ich einen ersten kleinen Tiefpunkt, ich mußte feststellen, daß es sich da um Hochgebirge handelt und mein derzeitiger Gesundheitszustand das nicht erlaubt. Die Besichtigung einiger Objekte habe ich dann besser abgeblasen zumal sie weit entfernt waren. Einen Tag später von dort nach Varna, unterwegs wollte ich noch ein mir interessant erscheinendes Haus ansehen. Der Makler warnte bereits vorher. Die Landschaft kurz vor dem Haus ein Traum, sie erinnerte stark an Cezannes Bilder vom Mont Saint Victoire. Das Dorf leider am Zerfallen, eine freundliche alte Dame versuchte vorangehend mir einen Weg durch dichtes Gestrüpp zu bahnen, aber wir mußten umkehren und kamen nicht heran an die Gebäuderückseite und für vorn hatte sie keinen Schlüssel. Die Natur holte sich alles zurück.

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Also weiter, die Strecke nahm kein Ende. In Varna wechselte ich „on the fly“ die Taxe, wurde mitten auf einer großen Brücke weitergereicht, Preis war inklusive. Der Fahrer hatte die fast 500 Kilometer und 250 Euro teure Tour nur unter der Bedingung angenommen, daß seine Frau mitfahren dürfe.  Endlich kam mein Ziel in Sicht, der Komplex „Evergreen“ in der Strasse mit dem eher unaussprechlichen Namen „Doctor Vasilaki Papadopulo“ Hausnummer 49A, die kein Taxifahrer kannte, obwohl eine große Endhaltestelle der Busse schräg gegenüber lag und der Komplex 100 Wohnungen umfaßte, einige noch nicht fertig von innen. Von außen eine geniale optisch klar gegliederte und sehr ansprechende Architektur, gesichert wie Fort Knox. Ein Chip öffnete das Gartentor und den Gebäudeeingang. Mein Zuhause für die kommenden 18 Nächte war eine Zweizimmerwohnung im 5. Stock mit einer genialen Aussicht und einem an drei Seiten umlaufenden Balkon. Erstbezug, die Elektrogeräte vom Feinsten, der Wohnungsschnitt und die Möbel nicht ganz so toll, aber ein sehr geschmackvoll gefliestes Badezimmer mit einer wunderschönen Bordüre. Abends nach acht kam ich endlich an in dieser schönen Wohnung aber fand einem gähnend leeren Kühlschrank. Der Fernseher wurde mir noch vom Pförtner programmiert und der Kühlschrank eingesteckt. Genau gegenüber gab es einen winzigen aber gut sortierten Supermarkt, der hatte rund um die Uhr geöffnet, aber ich war wegen des Parkinsons zu schwach, da noch einzukaufen. Irgendwie klappte noch eine Pizzalieferung, allerdings ohne Getränk. Am nächsten Morgen brachte mir ein ganz lieber Mensch Frühstück, Kaffee und kaufte dann auch umfassend ein für mich, nochmals lieben Dank an Roland und seine Begleiterin.  Die folgenden Fotos sind von meinem Balkon gemacht.

Erste Erfahrungen

Das Klima, sonnig, sehr warm, aber frischer Seewind, gelegentlich Gewitter, bekam mir sehr gut. Sehr praktisch auch die Klimageräte mit denen man abends die Wohnung herunterkühlen konnte und nachdem ich dann eine Badehose erstanden hatte, nutzte ich den Swimmingpool täglich für meine Wassergymnastik, die mir sehr gut tat und mir hier sehr fehlt. Schwimmen kann ich derzeit nicht, schaffe die Bewegungskoordination von Armen und Beinen wegen Parkinson nicht mehr.

Ein traumhafter Blick im Abendlicht vor mir das flirrende Wasser, im Hintergrund die wunderschöne Fassade vom Evergreen, von einem russischen Stararchitekten gestaltet. Auch der Garten mit großem Brunnen ein Traum. Ich habe mir später noch drei Wohnungen im Evergreen angesehen, aber ich fand sie einfach zu teuer, z.B. gab es auch in der Wohnung keinen Abstellraum.

Varna - Evergreenkomplex, rechts oben meine Traumwohnung, das Schlafzimmer mit Meerblick
Varna – Evergreenkomplex, rechts oben meine Traumwohnung, das Schlafzimmer mit Meerblick

Die schönste bestand aus einem Schlafzimmer mit vielen bis zum Boden reichenden Fenstern und Meerblick, einem großen Raum mit Küche und Wohnteil, auch Anschluß für einen Kaminofen, einem schönen Balkon und fantastischem Meerblick, der Fahrstuhl endete direkt im Wohnzimmer. Effektiv ca 70 qm, aber Kaufsumme über 150.000 Euro oder Langzeitmiete 24 Monate entsprechend. Auch Mietkauf wäre möglich gewesen. Den Innenausbau hätte man noch selbst bestimmen können. Ich sage es mal so: wer nicht auf den Euro schauen muß, wäre damit gut bedient, die Bauqualität des Hauses war First Class, alles hervorragend verarbeitet.
Varna ist für Fußgänger, die wie ich derzeit etwas wackelig auf den Beinen sind, ein gefährliches Pflaster. Tiefe Löcher, Unebenheiten und fehlende Treppengeländer bieten viele Gefahrenpunkte. Busfahren habe ich auch getestet, einer fährt und eine Dame kassiert, was den modernen vollklimatisierten Doppelgelenk-Lindwurmbus sehr beschleunigt. Jede Fahrt ein Lewa (ca. 0,50 Euro).
Da fragte mich jemand im Parkinson-Chat, in einer teuren deutschen Großstadt von kleiner Rente lebend allen Ernstes, was ich in Bulgarien den ganzen Tag machen wolle. So als wäre Bulgarien ein Land auf unterstem Entwicklungsland-Niveau. Die sollte dringend dort Urlaub machen und würde sich sehr wundern, wie modern das Land ist und trotzdem preiswert und wie viel besser sie von ihrer schmalen Rente dort leben könnte. Wie grün und schön es ist. Und wie nett, freundlich und hilfsbereit die Bewohner sind.

Einkaufen und Preise

Fährt man mit dem Auto übers Land, sieht man an vielen Stellen Verkaufsstände für Obst und Gemüse, wo ganz frisch Geerntetes verkauft wird. Da ich mit dem Taxi unterwegs war habe ich die Stände leider nur im Vorbeirasen gesehen.
Es gibt auch große Supermärkte, Billa, Kaufland, Lidl, Metro usw.. Kaufland habe ich besucht, umfassende Auswahl, niedrige Preise. Preise unterwegs Imbiss oä: ca 1/3 bis 1/2 des deutschen Niveaus. Strom in Varna ca 9 Eurocent je Kwh, nachts 4 Eurocent. Laut Prospekt von Praktiker kostet Baumaterial etwa die Hälfte gegenüber dem deutschen Niveau.
Müllgebühren scheint es nicht zu geben. Diese Aussage wäre noch zu überprüfen. Am Straßenrand stehen die bekannten großen rollbaren Ein-Kubikmeter-Behälter, da kann jeder Müll loswerden. Ob der später getrennt wird  entzieht sich meiner Kenntnis. Laut Zuschrift eines deutschen Auswanderers gibt es sehr wohl eine Trennung, in Burgas z.B. stünden an vielen Orten Container für verschiedene Arten von Müll und auch Sondermüll könne gesondert abgegeben werden.

Schattenseiten

Wo viel Licht ist ist auch Schatten. Bei flüchtiger Betrachtung von Baustellen fiel mir auf, daß man Absturzsicherungen vergebens sucht, auch bei meinen Fotos ist die Baustelle gegenüber zu sehen, wo man das auch auf dem Foto sieht. Wer runterfällt hat selbst schuld? Das Thema „Sicherheit und Unfallverhütung“ scheint mir allgemein etwas vernachlässigt, nicht nur die beschrieben Löcher im Fußweg, fehlende Geländer selbst im teuren Evergreen. Die Fahrweise der Taxifahrer extrem gefährlich, in Deutschland allerdings oft auch nicht besser.

 

 

5 Kommentare

  1. Hallo,

    ich,63, möchte Deutschland verlassen, weil hier nicht das Paradies sondern die Hölle der Rentner sein wird. Ich habe 22 Jahre meine alte Mutter gepflegt, die mit fast 94 Jahren [ …. ] gestorben ist [….]

    Ich möchte in ein Land auswandern, in dem alte Menschen Respekt bekommen und geschätzt werden und hoffe, dass nicht nur Ungarn, sondern auch Bulgarien zu diesen Ländern in Europa gehört. Mein Freund ist Altenpfleger , 63, mit 38 Jahren Berufserfahrung in der Kranken- und Altenpflege und ebenfalls entschlossen
    auszuwandern, weil seine Rente in Deutschland nicht reichen wird.

    Text gekürzt, die Moderation

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  2. hallo, über deine Malerei komme ich auf deine Seite. Schreiben tue ich weil du beabsichtigst nach Bulgarien zu kommen. Ich wohne in Burgas am Meer und kann dir einige Fragen beantworten. Ich finde sehr gut dass du die Sprache hier lernen willst, was ich auch tue. Ich lebe mit meiner Bulgarischen Freundin zusammen. Von Sofia nach Burgas fahre ich für 12,-€ mit der Bahn.
    Noch was – liegt dein Dorf, Schwanheide in der Uckermark? Mir kommt der Name bekannt vor. Ich wohnte in Brüssow. Auf Instagram bin ich hansspilker

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    • Hallo Hans, danke für die nette Nachricht. Schwanheide liegt bei Boizenburg / Elbe und war früher der Ort wo die Züge Hamburg-Berlin abgefertigt wurden. Wenn ich höre, das man für 12 Euro von Sofia nach Burgas mit der Bahn fährt und hier bezahle ich für einmal nach Hamburg und zurück insgesamt 23 Euro und das sind nur jeweils 60 km je Strecke, kann man an sich nur nach Bulgarien auswandern. Liebe Grüße Arthur

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    • Hallo Hans Spilker,
      Ich wohne quasi um die Ecke in Sveti Vlas. Falls Sie Lust auf Kontakt haben würde ich mich sehr über einen Austausch freuen. Das mit dem Bulgarisch habe ich schon erledigt, falls Ihre Freundin kein Deutsch spricht wäre das kein Problem. Für meine Frau wäre es einfach schön mit deutsch, bis sie bulgarisch gelernt hat.
      E-Mail: kumbrendel@gmail.com
      Lg mb

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