Gedanken: Ausstellungshonorar, Künstler-Nachlass-Initiativen

Was ist ein Ausstellungshonorar werden Sie sich vielleicht fragen und warum braucht man das? Die Künstlerin / der Künstler kann doch seine Werke verkaufen und davon leben.

Dem ist leider nicht so, es gibt viele Werke, die eher nur von sehr speziellen Institutionen angekauft werden oder eben gar nicht. Obwohl es keine schlechten Werke sind.

Ich habe 2001 folgendes erlebt: ein in Hamburg ansässiger internationaler Großkonzern, ließ sich von mir viermal die Kantinen mit jeweils bis zu fünfzig großformatigen Bildern vollhängen und war nicht bereit, auch nur einen Cent an den Künstler, der die ganze Arbeit davon hatte, zu bezahlen. Die Ausstellungen bedeuteten für mich acht ganze Tage Arbeit und 600.- Euro Kosten für Versicherung der Kunstwerke plus 200.- Euro weitere Kosten zum Beispiel für die Anlieferung. Der Jahresgewinn dieses Konzerns betrug zu dem Zeitpunkt 600 Mio Euro. Noch nicht einmal die Versicherung der Bilder wollte man übernehmen. Etwas Kaffee und ein Mittagessen gab man großzügig. Und stellte eine Leiter hin. Auf Beschwerde beim Vorstand behauptete man, der mittellose Verein der malenden Mitarbeiter habe die Ausstellung initiiert, alle Vorgänge waren aber auf offiziellem Geschäftspapier des Unternehmens geschrieben worden. Es war früher einmal ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine Firma dann auch ein bis zwei Werke ankauft bei solch einer Ausstellung und die Kosten übernimmt. Als ich zwanzig Jahre vorher dort ausstellte, war das auch noch so.

Ein vorher vereinbartes Ausstellungshonorar soll dieses Problem lösen und klare Vereinbarungen schaffen. Für den Künstler hat es nämlich durchaus weitreichende Konsequenzen, wenn er immer nur Verluste produziert. Das fängt bei der Künstlersozialversicherung an, kann weitere Konsequenzen haben bei Kreditwünschen und schlimmstenfalls erkennt das Finanzamt auf „Liebhaberei“, was eine ganze Reihe von erheblichen steuerlichen Nachteilen haben kann.

Künstler-Nachlässe

Im allgemeinen hat eine Künstlerin / ein Künstler sein Leben lang Kunstwerke produziert, von denen mehr oder weniger viele verkauft wurden. Meist ist ein riesiger Bestand vorhanden. Das erste massive Problem stellt sich bereits, wenn eine Verkleinerung wegen Alter und / oder Krankheit erfolgen muss. Was tut man mit seinen Werken? „VVV“? Sie verschenken, verschleudern, vernichten? Schaut man sich auf der anderen Seite an, welche sagenhaften Preise manche verstorbenen Künstler mit ihren Werken erzielen, wären das drei ganz schlechte Ideen. Außerdem ist das Werk ein Stück Zeitgeist, oft ist es wert, dass die Werke aufgehoben, katalogisiert, geschützt und behütet werden. Und in Ausstellungen der Nachwelt präsentiert.

Was aber tun, wenn man sich von Werken trennen muss, weil man sie nicht mehr unterbringen kann? Die Antwort auf diese Frage muss ich momentan noch offen lassen.

Welche theoretischen Möglichkeiten gäbe es?

  • Eine Galerie kauft alle Werke en gros und zahlt einen Einmalbetrag: schön wäre es, aber welcher Galerist hat die Mittel dafür?
  • Ein Grossunternehmen mietet die Bilder für die Geschäftsräume, stellt sie dort aus und versucht eventuell auch Bilder zu verkaufen
  • Eine Stiftung oder Künstler-Nachlass-Initiative kümmert sich um die Werke, zahlt aber kein Geld dafür
  • Auktionen im Kunsthandel sind aus meiner Sicht bei unbekannteren Künstlerinnen / Künstlern eher zwecklos

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