Gedanken: Europa

Gedanken an Spanien: Für und Wider einer möglichen Abspaltung von Katalonien möchte ich nicht bewerten, ich war noch nie dort und habe mich mit den Argumenten jeder Seite bisher nicht beschäftigt. Aber ich muss sagen, dass mich die Bilder von Polizisten, die auf friedliche Demonstranten und Wähler einprügeln, mit großem Ärger und Zorn erfüllen. Ist das die europäische Einigung, wo man mißhandelt wird wenn man an einer Wahl teilnimmt? Ist das ein angemessenes Verhalten in Europa 2017?

Diese menschenverachtende Gewalt ist unwürdig für Europa und auf das Schärfste zu verurteilen selbst wenn die Abstimmung angeblich rechtswidrig sein sollte. Wenn sich eine breite Mehrheit für eine Abspaltung ausspricht, wird diese langfristig sowieso nicht zu verhindern sein und mit Gewalt schon gar nicht. Da helfen allenfalls Verhandlungen.

Ich wünsche allen Beteiligten dafür eine vernünftige Haltung und ruhige Hand. Und wenn es solcher brachialer Gewalt braucht, wird es schon seinen Grund haben, warum sich da Menschen abspalten wollen von einem Land.

Warum schreibe ich das? Was hat eine Seite über einen Künstler mit Europa zu tun? Wenn ich zurück denke an 1976, ein Jahr vor dem Abitur, gewannen ich und Zwillingsbruder Carlos eine einwöchige Reise nach Paris, über einen europäischen Wettbewerb. Es trafen sich dort Jugendliche aus vielen Ländern, Irland, Belgien, Luxemburg, Italien, Schweiz, Frankreich, Finnland, Deutschland. Wir hatten viel Spaß in dieser Woche, es wurde über alles mögliche gesprochen und es tat im Kleinen der europäischen Einigung sehr gut. In den Folgejahren kam es zu privat organisierten Treffen, bei einigen konnte ich leider nicht dabei sein, sehr schön und unvergessen war Irland 1978. Da schließt sich der Kreis zur Kunst, da gab es nicht nur viele Fotos, sondern auch diverse Gemälde, auch aus der Schweiz. 41 Jahre sind vergangen und wie hat sich Europa seitdem verändert. Nicht alles zum Guten, aber vieles ist anders und besser geworden. Irgendwie war diese eine Woche in 1976 prägend für Jahre und wenn mir damals jemand gesagt hätte, das 1989 der eiserne Vorhang fällt und das ich 2001 in den Osten nach Mecklenburg-Vorpommern auswandern würde, ich hätte es nicht geglaubt. Die Gemälde sind aus Irland 1978 und der Schweiz (Sion, Grande Dixence).

Aber nun scheint Europa in einer schweren Krise zu stecken, hunderte Menschen ertrinken im Mittelmeer vor unseren Grenzen und diejenigen die ihnen helfen, werden auch noch kriminalisiert. Meine Bitte an die europäischen und deutschen Politiker:  „Sorgen Sie umgehend dafür, daß niemand mehr im Mittelmeer als Flüchtling ertrinken muß. Das ist eine Schande für Europa, so ein Europa will ich nicht“. Auch die Vorgänge um Asyl, Abschiebungen usw. sind eine Schande für Europa.

 

2 Kommentare

  1. Ja, lieber Arthur, an dieses Gefühl in den Siebziger und den Achtzigern kann ich mich ebenfalls sehr gut erinnern. Und die Zeit nach `89 …. da war alles so voller Hoffnung auf Frieden, Freiheit und Völkerverständigung, vielleicht naiv, aber genau das, was viele sich von einem vereinten Europa gewünscht hatten.
    Und nun? Heute stelle ich fest, dass dem, was sich da Europa nennt, der philosophische Überbau fehlt. Ich sehe lediglich die Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen im Globalisierungswahn – mit allen üblen Folgen.
    Wo sind sie, die Träume und Visionen von Europa? Wären Visionen, so es sie denn gäbe, überhaupt noch vermittelbar im täglichen Kleinkampf ums Überleben?

    Ich habe keine Antwort und weiß mir keinen Rat für mein kleines Leben.
    Was ich aber weiß, ist, dass ich Angst habe, Angst vor diesen Kläffern und Scharfmachern in den (un)sozialen Medien und in der Politik, Angst vor meiner Zukunft im Alter, die ich vor ein paar Jahren noch für abgesichert hielt. Schrecken vor der mir sich mir immer häufiger offenbarenden Unbildung und Unwissenheit vieler Menschen, vor der Rohheit im täglichen Umgang und in der Sprache. So will ich nicht leben !

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